Ingo Ruff | Die Stimme der Deutschen Bahn - Wie kommen die Ansagen in die Züge?
Folge 31 | 15. Dezember 2024
„Nächster Halt“ – zwei Worte, die Millionen Menschen in Deutschland mit einer ganz bestimmten Stimme verbinden. Sie gehört Ingo Ruff, der seit Jahrzehnten die akustische Begleitung unzähliger Bahnfahrten prägt. Ob in der Berliner S-Bahn, in Hamburg, Dresden oder zahlreichen Regionalzügen: Seine Ansagen sind für Reisende längst zu einem vertrauten Bestandteil des Alltags geworden. Mit André Puchta spricht der gebürtige Berliner über seinen außergewöhnlichen Berufsweg, die Geheimnisse hinter den automatischen Zugansagen und die Frage, warum selbst Einheimische nicht immer wissen, wie ihr Bahnhof richtig ausgesprochen wird. Ursprünglich absolvierte Ingo Ruff eine Ausbildung zum Kommunikationstechniker, bevor er bei der Deutschen Reichsbahn als Zugfunksprecher arbeitete. Damals begleitete er Sonderzüge, moderierte Fahrten und legte gelegentlich sogar als DJ auf. Als die Deutsche Bahn in den 1990er-Jahren ihre Fahrgastinformation digitalisierte, wurde seine Stimme bei einem internen Casting ausgewählt. Heute umfasst sein Repertoire nach eigenen Angaben rund 10.000 Ansagen. Humorvoll erzählt er von Beschwerden über falsch betonte Ortsnamen, spontanen Fanbegegnungen und seiner Stimme, die es mittlerweile sogar in Technomusik geschafft hat. Überraschend ist auch die Geschichte eines Automobilherstellers, dessen Werbeanfrage er mit einem charmanten Verweis auf seine Verbundenheit zur Bahn ablehnte. Offen spricht Ingo Ruff darüber, wie empfindlich seine Stimme auf Belastungen reagiert, weshalb er bislang keine Hörbücher eingesprochen hat und welche Chancen und Risiken künstliche Intelligenz für seinen Beruf mit sich bringt.
Roman Ewers | Straßenbaumeister - Wie oft wirst du im Job angeflirtet?
Folge 30 | 15. November 2024
Bis zu 16.000 Puten, ein Saugbagger mit 150 Meter langem Schlauch und Baumaschinen mit Namen wie „Adele“, „Nimmersatt“ und „Herkules“: Roman Ewers hat einen ungewöhnlichen Berufsweg hinter sich. Der gebürtige Paderborner ist gelernter Kanalbauer, ausgebildeter Landwirt und heute selbstständiger Straßenbaumeister mit einem eigenen Tiefbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Mit André Puchta spricht er über die Herausforderungen des Straßenbaus, die Faszination großer Maschinen und die Frage, warum die Arbeit unter der Erde für unseren Alltag unverzichtbar ist. Nach seiner ersten Ausbildung im Kanalbau übernahm Roman Ewers 2006 einen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem zeitweise bis zu 16.000 junge Puten aufgezogen wurden. Doch die Leidenschaft für Baumaschinen ließ ihn nicht los. 2014 absolvierte er die Meisterschule und baute sich einen weiteren Unternehmenszweig auf. Heute ist er mit seinem Team deutschlandweit im Einsatz, beseitigt Ablagerungen aus Kanälen, übernimmt Erd- und Straßenbauarbeiten und sorgt nach Starkregenereignissen dafür, dass Entwässerungssysteme wieder funktionieren. Besonders eindrücklich berichtet er von seinem Einsatz während der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Acht Wochen lang arbeitete sein Team in der betroffenen Region, befreite unter anderem einen überfluteten Krankenhauskeller von Schlamm und Geröll und unterstützte an den Wochenenden freiwillig die Anwohner. Offen spricht Roman Ewers auch über Nachwuchssorgen im Handwerk, zunehmende Bürokratie, lange Arbeitstage und seinen Anspruch an umweltverträgliche Technik. Humorvoll wird es, wenn er von gestohlenen Baustellenschildern, außergewöhnlichen Maschinennamen und einem Messebesucher erzählt, der den Geschäftsführer sprechen wollte, ohne ihn zu erkennen.
Julia Guth | Pfarrerin - Hattest du jemals Zweifel an deinem Glauben?
Folge 29 | 15. Oktober 2024
Ein Gottesdienst, bei dem Kinder basteln und anschließend gemeinsam Pizza gegessen wird: Für Julia Guth ist Kirche weit mehr als ein Ort für Gebete und traditionelle Rituale. Die evangelische Pfarrerin bezeichnet sich selbst als „Neuköllner Arbeiterkind mit einer frommen Großmutter“. Geboren und aufgewachsen in West-Berlin, entdeckte sie schon früh ihre Begeisterung für Spiritualität. Heute setzt sie sich besonders für Kinder, Familien und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Mit André Puchta spricht Julia Guth über ihren ungewöhnlichen Weg ins Pfarramt, den Wandel der evangelischen Kirche und die Frage, welche Bedeutung der christliche Glaube in einer zunehmend säkularen Gesellschaft noch hat. Nach einem Umweg über die Betriebswirtschaft und 21 Jahren Gemeindearbeit in Tempelhof-Schöneberg kehrte sie 2019 beruflich nach Neukölln zurück. Dort begleitet sie die Arbeit von 26 Kindertagesstätten und sieben Familienzentren, berät pädagogische Fachkräfte und entwickelt Angebote für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Besonders eindrücklich beschreibt sie die sozialen Herausforderungen ihres Bezirks: Armut, Einsamkeit und gesellschaftlicher Leistungsdruck prägen den Alltag vieler Menschen. Dem verbreiteten Drang zur ständigen Selbstoptimierung setzt sie eine klare Botschaft entgegen: Jeder Mensch ist wertvoll und muss sich seine Anerkennung nicht erst verdienen. Offen spricht Julia Guth über interreligiösen Dialog, die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare, die wachsende Bedeutung von Frauen in der Kirche und die Herausforderungen moderner Familienarbeit. Auch Instagram, digitale Gottesdienste und künstliche Intelligenz gehören inzwischen zu den Themen, mit denen sie sich beschäftigt.
Marco Ammer | Trauerredner - Was macht eine gute Trauerrede aus?
Folge 28 | 15. September 2024
Seine eigene Trauerfeier hat Marco Ammer längst geplant – inklusive der Frage, was die Gäste anziehen sollen. Beruflich beschäftigt sich der Berliner seit 2014 mit dem Tod, doch seine Arbeit ist vor allem eine Auseinandersetzung mit dem Leben. Als Trauerredner, Sterbebegleiter und Trauerbegleiter unterstützt er Menschen dabei, einen persönlichen und würdevollen Abschied zu gestalten. Mit André Puchta spricht er über außergewöhnliche Trauerfeiern, den Umgang mit Verlust und die Frage, warum auf einer Beerdigung auch gelacht werden darf. Sein beruflicher Weg begann allerdings ganz anders: Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete Marco Ammer beim Fernsehsender NBC GIGA, moderierte eine Quizsendung bei n-tv und absolvierte ein Schauspielstudium. Es folgten Engagements als Schauspieler und Synchronsprecher, bevor ihn die Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit zur Sterbebegleitung führte. Besonders prägend waren seine eigenen Erfahrungen mit Trauerfeiern. Bei der Beerdigung seiner Großtante verwechselte ein Pfarrer die Lebensgeschichten und sprach teilweise über Marcos Großmutter, die noch lebend unter den Gästen saß. Heute setzt sich Marco Ammer dafür ein, dass solche Abschiede persönlicher, sorgfältiger und menschlicher gestaltet werden. Er erzählt von ehrenamtlichen Sitzwachen am Sterbebett, von Angehörigen und engen Freunden, die unterschiedliche Vorstellungen vom Abschied haben, und von der Herausforderung, bei Trauerreden selbst die Fassung zu bewahren. Als Mitbegründer der Trauerakademie Berlin-Brandenburg vermittelt er sein Wissen auch an andere Menschen. Offen spricht er darüber, weshalb Kinder stärker in Abschiedsrituale einbezogen werden sollten, warum Trauer nicht nur aus Traurigkeit besteht und wie wichtig es ist, schon zu Lebzeiten über die eigenen Wünsche zu sprechen.
Irina Wrettos | Single- und Trennungs-Coach - Muss man vorher Schluss machen, um bei dir einen Termin zu bekommen?
Folge 27 | 15. August 2024
297 Matches für gerade einmal fünf Dates: Die Partnersuche im digitalen Zeitalter kann ganz schön ernüchternd sein. Doch wer glaubt, dass tägliche Liebesnachrichten bereits eine Beziehung ausmachen, liegt nach Ansicht von Irina Wrettos falsch. Die studierte Literaturwissenschaftlerin arbeitet als Single- und Trennungscoach und begleitet Frauen bei Liebeskummer, schwierigen Beziehungsmustern und der Suche nach einer erfüllenden Partnerschaft. Mit André Puchta spricht sie über die Herausforderungen moderner Beziehungen, unrealistische Erwartungen beim Online-Dating und die Frage, warum gemeinsame Werte wichtiger sein können als das perfekte Aussehen. Nach Weiterbildungen unter anderem in Sexualtherapie und Beziehungsdynamik entwickelte Irina Wrettos ihren Schwerpunkt auf die Arbeit mit alleinstehenden Frauen. Dabei spielen Selbstwertgefühl, persönliche Bedürfnisse und die Fähigkeit, eigene Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren, eine entscheidende Rolle. Offen erklärt sie, weshalb eine Kennenlernphase mehrere Monate dauern kann, warum endlose Chatnachrichten keine persönlichen Begegnungen ersetzen und wie sich emotionale Abhängigkeiten entwickeln können. Besonders intensiv wird das Gespräch beim Thema Trennung: Wie überwindet man Liebeskummer? Darf man nach einem Seitensprung verzeihen? Und warum fällt es manchen Menschen selbst nach Jahren schwer, eine vergangene Beziehung loszulassen? Irina Wrettos spricht über unterdrückte Gefühle, den Umgang mit Wut und Enttäuschung sowie die Bedeutung von Selbstfürsorge nach einer Trennung. Auch ihre persönliche Glücksformel „Gelegenheit macht Liebe“ stellt sie vor und erklärt, warum weniger Erwartungsdruck und mehr Offenheit die Partnersuche erleichtern können.
Felix Wohlfarth | Zauberkünstler - Wie viele Kaninchen wohnen in deinem Hut?
Folge 26 | 15. Juli 2024
Bei seinem ersten bezahlten Auftritt ließ Felix Wohlfarth gleich sein gesamtes Publikum verschwinden – allerdings völlig unbeabsichtigt. Der junge Zauberer hatte seine Nebelmaschine so großzügig eingesetzt, dass in dem Kinderzimmer plötzlich niemand mehr etwas sehen konnte. Heute steht der gebürtige Potsdamer auf großen Bühnen, begeistert auf Kreuzfahrtschiffen bis zu 1.200 Zuschauer und gehört zum Vorstand des Magischen Zirkels von Deutschland. Mit André Puchta spricht er über die Geheimnisse der Zauberkunst, seine außergewöhnliche Karriere und die Frage, warum ein guter Zaubertrick allein noch lange keine gute Show ausmacht. Seine Leidenschaft begann im Alter von sechs Jahren mit einem Zauberkasten, der zunächst enttäuscht in der Ecke landete. Erst einige Jahre später entdeckte er seine Begeisterung wieder. Besonders prägend war der Besuch eines Berliner Zauberladens, in dem seine Eltern vor die Tür geschickt wurden, damit er die Geheimnisse seiner neuen Kunststücke erfahren durfte. Neben der Zauberei sammelte Felix Wohlfarth mehr als zehn Jahre Bühnenerfahrung am Kindermusiktheater Buntspecht, absolvierte eine Ausbildung zum Erzieher und studierte Betriebswirtschaftslehre. Humorvoll erzählt er von missglückten Tricks, vergesslichen Zuschauern und seinem Besuch bei David Copperfield in Las Vegas, wo er selbst wieder zum staunenden Kind wurde. Besonders faszinieren ihn die Auftritte auf Kreuzfahrtschiffen, bei denen er sein Publikum nicht nur während der Shows, sondern auch beim Frühstück oder an der Bar wiedertrifft. Offen spricht er außerdem über die Bedeutung von Übung, Improvisation und ehrenamtlicher Nachwuchsförderung.
Justus Münster | Notfallseelsorger - Wie verarbeitet man Ereignisse wie den Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz?
Folge 25 | 15. Juni 2024
Wenn ein Mensch plötzlich stirbt, eine Todesnachricht überbracht werden muss oder ein schwerer Unfall das Leben von einer Sekunde auf die andere verändert, beginnt die Arbeit von Justus Münster. Der evangelische Pfarrer ist Beauftragter für Notfallseelsorge in Berlin und begleitet Menschen in den wohl schwierigsten Momenten ihres Lebens. Mit André Puchta spricht er über die erste Hilfe für die Seele, die Herausforderungen der Krisenintervention und die Frage, wie man Menschen Halt geben kann, wenn ihre vertraute Welt zusammenbricht. Gemeinsam mit rund 160 ehrenamtlichen Einsatzkräften verschiedener christlicher, muslimischer und weltlicher Organisationen unterstützt die Berliner Notfallseelsorge Betroffene unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Alarmiert werden die Helferinnen und Helfer durch Polizei und Feuerwehr, beispielsweise nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen, schweren Verkehrsunfällen oder Gewalttaten. Besonders bewegend berichtet Justus Münster vom Terroranschlag auf den Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016. Noch am Abend waren rund 20 Notfallseelsorgende vor Ort, um Verletzte, Angehörige und Augenzeugen zu begleiten. Die Erfahrungen dieses Einsatzes machten auch deutlich, wie dringend eine bessere psychosoziale Versorgung und Nachbetreuung von Einsatzkräften notwendig war. Offen spricht er über die seelischen Belastungen seiner Arbeit, die Unterstützung ukrainischer Geflüchteter und die Hilfe für Menschen während der Corona-Pandemie. Dabei erklärt er, weshalb in einer akuten Krise manchmal schon das stille Dabeibleiben wichtiger ist als jedes tröstende Wort. Auch seine persönlichen Kraftquellen, darunter Familie, Musik und Langstreckenlauf, kommen zur Sprache.
Philipp Henke | Patientenbegleiter - Wirst du öfter nach dem Weg gefragt oder nach einem Kaffeeautomaten?
Folge 24 | 15. Mai 2024
Bis zu 20.000 Schritte am Tag, Begegnungen mit schwerkranken Menschen und ein preisgekröntes Foto aus der Corona-Pandemie: Philipp Henke kennt den Krankenhausalltag aus einer Perspektive, die in der Öffentlichkeit nur selten Beachtung findet. Der gebürtige Halberstädter arbeitet seit 2013 in einem Berliner Krankenhaus und koordiniert dort den Patientenbegleitdienst. Mit André Puchta spricht er über einen oft unterschätzten Beruf, die Bedeutung von Menschlichkeit im Klinikalltag und die Frage, warum manchmal schon ein freundliches Lächeln die Angst vor einer Untersuchung lindern kann. Dabei hatte Philipp Henke ursprünglich einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten arbeitete er zunächst in der Medizintechnik, bevor ihn die Liebe nach Berlin führte. Heute sorgt er gemeinsam mit seinem Team dafür, dass Patientinnen und Patienten zuverlässig zu Operationen, Untersuchungen und auf andere Stationen gelangen. Dabei geht es um weit mehr als den Transport im Rollstuhl oder Krankenbett: Einfühlungsvermögen, Humor und ein offenes Ohr sind für ihn unverzichtbare Bestandteile seiner Arbeit. Besonders eindrücklich berichtet Philipp Henke von den Belastungen während der Corona-Pandemie. Ein Foto, das ihn beim Transport eines Verstorbenen in die Pathologie zeigt, wurde 2021 mit dem PR-Bild Award ausgezeichnet. Es steht sinnbildlich für die körperliche und seelische Verantwortung, die Beschäftigte im Krankenhaus täglich tragen. Doch Philipp Henke hat auch eine überraschend kreative Seite: Neben seinem Engagement als Fußballtorwart war er bereits in Musikvideos von Nimo, Alligatoah und Electric Callboy zu sehen.
Sascha Günther | Physiotherapeut - Erkennst du beim ersten Blick, ob jemand ins Fitnessstudio geht?
Folge 23 | 15. April 2024
Eine zufällige Begegnung auf dem Golfplatz brachte Sascha Günther in die erste spanische Fußballliga. Dabei hatte der gebürtige Kühlungsborner ursprünglich ganz andere Pläne: Er wollte Menschen nach Verletzungen wieder auf die Beine helfen. Heute blickt er auf rund 20 Jahre Berufserfahrung als Physiotherapeut zurück, hat mit Profisportlern, Senioren und schwerkranken Menschen gearbeitet und leitet eine physiotherapeutische Ambulanz in einem Berliner Krankenhaus. Mit André Puchta spricht er über seinen ungewöhnlichen Karriereweg, die Ursachen von Rückenschmerzen und die Frage, warum Bewegung häufig die beste Voraussetzung für ein gesundes Leben ist. Nach seiner Ausbildung in Berlin, die er durch eine zusätzliche Heilpraktikerausbildung ergänzte, zog es Sascha Günther zunächst nach Spanien. Dort arbeitete er in einer Seniorenresidenz, bevor ihn ein Golfpartner überraschend für die physiotherapeutische Betreuung eines Erstligavereins gewann. Familiäre Schicksalsschläge führten ihn schließlich zurück nach Deutschland, wo er seine Erfahrungen in Praxen, Rehabilitationseinrichtungen und im Sportbereich weiter vertiefte. Besonders eindrücklich erzählt er von einem Schlaganfallpatienten, der zunächst bettlägerig war und nach intensiver Rehabilitation wieder selbstständig gehen konnte. Offen spricht Sascha Günther über zunehmende Bewegungsarmut, Fehlhaltungen durch Smartphones und lange Bildschirmarbeit sowie die Grenzen medizinischer Behandlungen. Dabei erklärt er, weshalb Physiotherapie weit mehr bedeutet als Massagen, warum nicht jede spektakuläre Behandlung aus dem Internet sinnvoll ist und wie wichtig Vertrauen zwischen Patienten und Therapeuten bleibt. Humorvoll erinnert er sich außerdem an eine ungewöhnliche Begegnung mit einer Patientin aus der Erotikfilmbranche.
Mathias Gnida | Flugangst-Experte - Empfiehlst du beruhigende Musik oder ist das eher so wie Pflaster auf Gips?
Folge 22 | 15. März 2024
Wenn kurz nach dem Start die Triebwerke leiser werden und sich das Flugzeug plötzlich anfühlt, als würde es absacken, bekommen viele Passagiere ein mulmiges Gefühl. Dabei steckt dahinter meist ein völlig normaler Vorgang, den unser Gehirn falsch interpretiert. Mathias Gnida weiß, warum solche Situationen Ängste auslösen und wie man ihnen begegnen kann. Der gebürtige Hamburger ist ausgebildeter Verkehrsflugzeugführer, studierter Flugzeugtechniker, mehrfacher Buchautor und Experte für Flugangst. Mit André Puchta spricht er über die Sicherheit des Fliegens, weitverbreitete Irrtümer und die Frage, warum ausgerechnet Ablenkung im Flugzeug langfristig mehr schaden als helfen kann. Seine Begeisterung für die Luftfahrt begann bereits in der Kindheit. Nach einer Ausbildung zum Flugzeugmechaniker und einem Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Flugzeugsystemtechnik verwirklichte er seinen Traum vom Fliegen. Heute unterstützt er Menschen dabei, ihre Flugangst zu verstehen und zu überwinden. Mit seinen Beiträgen auf Instagram und TikTok erreicht er mehr als 100.000 Follower. Anschaulich erklärt Mathias Gnida, wie Turbulenzen entstehen, weshalb sich Flugzeuge bei Gewittern nicht automatisch in Gefahr befinden und welche Sicherheitsmechanismen im Cockpit zum Einsatz kommen. Er verrät, warum es sinnvoll sein kann, frühzeitig einzusteigen, weshalb es keinen grundsätzlich sichersten Sitzplatz gibt und was bei einem Blitzeinschlag tatsächlich passiert. Besonders spannend wird es bei den psychologischen Ursachen der Flugangst: Welche Rolle spielen negative Medienberichte, persönliche Erfahrungen und Kontrollverlust? Und warum reicht es nicht aus, einen Flug mit Kopfhörern, Alkohol oder Beruhigungsmitteln einfach nur zu überstehen? Auch über seine Flugangstseminare und begleitete Linienflüge spricht er ausführlich.
Dr. Alexandra Wolf | Zahnärztin & Flugbegleiterin - Hast du schon mal Patienten während des Fluges behandelt?
Folge 21 | 15. Februar 2024
Tagsüber behandelt sie Kinderzähne, wenig später serviert sie auf 10.000 Metern Höhe Getränke: Dr. Alexandra Wolf verbindet zwei Berufe, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Berliner Kinderzahnärztin arbeitet gleichzeitig als Flugbegleiterin bei Lufthansa und hat damit gleich zwei große Leidenschaften zu ihrem Beruf gemacht. Mit André Puchta spricht sie über ihren außergewöhnlichen Arbeitsalltag, die Herausforderungen der Kinderzahnheilkunde und die Frage, wie sich Zahnarztpraxis und Flugzeugkabine miteinander vereinbaren lassen. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, zog es Alexandra Wolf schon früh in die weite Welt. Nach Aufenthalten in Neuseeland, Frankreich und Ecuador, wo sie einen Freiwilligendienst in einer zahnmedizinischen Abteilung absolvierte, studierte sie Zahnmedizin in Dresden. Heute behandelt sie in einer großen Berliner Zahnarztpraxis Kinder und Jugendliche. Besonders originell ist ihre Methode, kleinen Patienten die Angst vor dem Zahnarztbesuch zu nehmen: Gemeinsam mit einem als Piloten verkleideten Krokodil verwandelt sie den Behandlungsstuhl in ein Flugzeug und nimmt die Kinder auf eine Fantasiereise mit. Humorvoll erzählt sie von einem Milchzahn, der während eines Fluges in einem Muffin stecken blieb, und von einer Patientin, die sie überraschend am Flughafen wiedererkannte. Doch Alexandra Wolf engagiert sich auch weit über ihren Berufsalltag hinaus. Regelmäßig reist sie mit einem zahnmedizinischen Team nach Südafrika, um Schulkinder kostenlos zu behandeln. Außerdem berichtet sie von ihrem Engagement bei den Special Olympics und in der zahnmedizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen.
Maya Singh | Songwriterin - Hast du jemals einen Song geschrieben, der nur für deinen Kater gedacht war?
Folge 20 | 15. Januar 2024
David Bowie überreichte ihr persönlich das Diplom, ihre Songs wurden von Sarah Connor, Christina Stürmer und Gitte Haenning veröffentlicht, und für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Gold- und Platinauszeichnungen. Doch 2018 veränderte eine seltene Krebsdiagnose das Leben von Maya Singh grundlegend. Die Musikerin, Komponistin, Songwriterin und Produzentin musste plötzlich um ihre Zukunft kämpfen und entwickelte aus dieser Erfahrung ein außergewöhnliches Projekt, das anderen Menschen Mut machen soll. Mit André Puchta spricht Maya Singh über ihre Karriere in der Musikbranche, die erschütternden Erfahrungen während ihrer Krebserkrankung und die Frage, wie man selbst in existenziellen Krisen die Lebensfreude bewahren kann. Aufgewachsen in Oberbayern, schrieb sie bereits als Achtjährige eigene Lieder und gründete mit 14 ihre erste Band. Um sich ihr Studium am renommierten Berklee College of Music in Boston zu finanzieren, arbeitete sie unter anderem auf einem Friedhof und schlüpfte für Disney in das Kostüm des siebten Zwergs von Schneewittchen. Nach einem kurzen Ausflug als Sängerin konzentrierte sie sich auf das Songwriting und arbeitete mit zahlreichen bekannten Künstlern zusammen. Besonders eindrücklich schildert Maya Singh den Moment, als bei ihr ein seltenes Sarkom festgestellt wurde. Fehldiagnosen, eine belastende Suche nach Spezialisten und schließlich die Teilnahme an einer klinischen Studie an der Berliner Charité bestimmten ihren weiteren Weg. Dank eines zielgerichteten Medikaments bildeten sich ihre Metastasen zurück, nach einem Jahr war sie krebsfrei. Mit ihrem Projekt „Zellebration“ verbindet sie heute wissenschaftliche Aufklärung, persönliche Erfahrungen, Musik und Lebensfreude. Offen spricht sie über Ängste, die Bedeutung psychologischer Unterstützung und darüber, weshalb Betroffene selbstbestimmt handeln und ärztliche Zweitmeinungen einholen sollten.











