Ela Paul | Sängerin - Eine ganze Generation mit Ohrwurm: Wie war das damals mit Wonderwall?

Folge 49 | 30. Dezember 2025

Kein Radiosender wollte ihren Song spielen. Doch als „Just More“ in der ARD-Serie „Marienhof“ zu hören war, begann für die drei jungen Musikerinnen von Wonderwall eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Der Titel stürmte die deutschen Charts, die Band gewann einen Echo und ging mit Weltstar Ronan Keating auf Europatournee. Mittendrin: Ela Paul, die heute als Solokünstlerin ihren ganz eigenen musikalischen Weg geht. Mit André Puchta spricht die Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin über ihren überraschenden Durchbruch, die Schattenseiten des Ruhms und die Herausforderung, sich nach großen Erfolgen künstlerisch neu zu erfinden. Sie erinnert sich an die ersten musikalischen Versuche mit ihrer Schulfreundin Kati, an Fernsehauftritte während der Abiturprüfungen und an einen unvergesslichen Moment, als sie Muhammad Ali die Hand schüttelte, ohne zunächst zu wissen, wer vor ihr stand. Auch über den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2004 und ihre Entscheidung, Wonderwall zu verlassen und Schauspiel zu studieren, erzählt sie offen. Später war sie unter anderem in „Pastewka“ und der RTL-Serie „Unter uns“ zu sehen. Besonders persönlich wird es, als Ela Paul über ihre langjährige kreative Blockade spricht und erklärt, warum sie erst wieder zu ihrer Musik fand, als sie sich von äußeren Erwartungen und dem Druck früherer Erfolge befreite. Heute schreibt und singt sie auf Deutsch, arbeitet als Sprecherin und verbindet ihre künstlerische Leidenschaft mit dem Familienleben als zweifache Mutter.

Friederike Knüpling | Leitende Hebamme - Was ist der größte Mythos über deinen Beruf?

Folge 48 | 15. Dezember 2025

Sechs Kreißsäle, mehrere Geburten gleichzeitig und manchmal Entscheidungen, bei denen jede Sekunde zählt: Für Friederike Knüpling gehört das zum Berufsalltag. Seit vielen Jahren begleitet die leitende Hebamme am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin werdende Eltern durch einen der aufregendsten Momente ihres Lebens. Mit André Puchta spricht sie über die Herausforderungen moderner Geburtshilfe, außergewöhnliche Erlebnisse im Kreißsaal und die Frage, warum dieser Beruf weit mehr verlangt als medizinisches Fachwissen. Ursprünglich absolvierte sie eine Krankenpflegeausbildung und begann ein Medizinstudium, bevor sie durch ihre eigenen Schwangerschaften den Mut fand, ihrem Kindheitstraum zu folgen. 1998 schloss sie ihre Hebammenausbildung ab und übernahm später Führungsverantwortung. Heute koordiniert sie ein großes Team, organisiert Dienstpläne und sorgt dafür, dass auch in besonders turbulenten Situationen die Versorgung von Mutter und Kind gewährleistet bleibt. Humorvoll erzählt sie von ungewöhnlichen Babynamen, nervösen Vätern, ungeduldigen Großeltern und Eltern, die mit seitenlangen Geburtsplänen erscheinen. Dabei erklärt sie, warum Geburten nicht planbar sind und weshalb Einfühlungsvermögen, Flexibilität und klare Entscheidungen gleichermaßen wichtig sind. Besonders bewegend wird das Gespräch, als Friederike Knüpling von einer stillen Geburt berichtet, bei der sie für die trauernden Eltern Erinnerungsfotos mit ihrem verstorbenen Baby machte – ein Moment, der sie bis heute berührt. Auch über die zunehmende Digitalisierung, den Hebammenmangel und die Zukunft der Geburtshilfe spricht sie offen.

Margot Schlönzke | Kieztour-Göttin - Was würdest du machen, wenn du für einen Tag Bundeskanzlerin wärst?

Folge 47 | 30. November 2025 

Mit grauen DDR-Uniformen gegen Homophobie, mit High Heels durch die Berliner Geschichte und mit jeder Menge Glitzer für gesellschaftliche Vielfalt: Margot Schlönzke ist weit mehr als eine Dragqueen. Die gebürtige Berlinerin gehört seit Jahrzehnten zur queeren Kulturszene der Hauptstadt und verbindet Unterhaltung mit politischem Engagement. Mit André Puchta spricht die Sängerin, Moderatorin und Entertainerin über ihre Anfänge in der Kreuzberger Tunten-Szene, die Bedeutung von Satire und die Frage, warum eine Bühne auch Verantwortung bedeutet. Schon als Kind experimentierte sie mit den Kleidern ihrer Schwester, später entwickelte sie sich zur selbsternannten „Politunte“. Mit der satirischen „Tuntensicherheit“ machte sie auf Diskriminierung aufmerksam und suchte das Gespräch mit Menschen, die queeren Lebensweisen ablehnend gegenüberstanden. Besonders bewegend wird es, als Margot von der Mahnwache nach dem Anschlag auf den queeren Nachtclub Pulse in Orlando 2016 erzählt. Gemeinsam mit Mitstreitern organisierte sie eine Gedenkveranstaltung am Brandenburger Tor, das schließlich in Regenbogenfarben erstrahlte. Auch über ihre ungewöhnliche Biografie mit einem Biotechnologiestudium, ihre Erfahrungen in der Altenpflege und eine schwere Depression spricht sie bemerkenswert offen. Humorvoll erinnert sie sich an schräge Theaterproduktionen, den Satirepreis „Goldene Jungschwuppe“ und prominente Gäste ihres Kochtalks, darunter Kevin Kühnert und Inka Bause. Mit ihren beliebten Kieztouren durch Berlin-Schöneberg vermittelt sie zudem mehr als 140 Jahre queere Stadtgeschichte.

Lutz Meyer-Raschke | Fußball-Schiedsrichter - Wie viele Kilometer läufst du während eines Spiels?

Folge 46 | 15. November 2025

Eine rote Karte wegen Justin Bieber? Was zunächst wie ein schlechter Scherz klingt, machte Lutz Meyer-Raschke über Nacht bundesweit bekannt. Bei einem Berliner Amateurfußballspiel verwies der Schiedsrichter einen Spieler des Feldes, nachdem dieser seinen Assistenten lautstark mit dem Namen des Popstars bedacht hatte. Die ungewöhnliche Entscheidung sorgte für Schlagzeilen und ist bis heute eine seiner kuriosesten Erinnerungen. Mit André Puchta spricht der gebürtige Berliner über mehr als zwei Jahrzehnte als Fußballschiedsrichter, die Herausforderungen auf dem Spielfeld und die Frage, wie man selbst unter größtem Druck einen kühlen Kopf bewahrt. Bereits mit 14 Jahren wechselte er vom Spieler zum Unparteiischen, weil seine Mannschaft so selten gewann und er endlich einmal an einem Fußballspiel teilnehmen wollte, ohne zu verlieren. Aus dieser ungewöhnlichen Motivation entwickelte sich eine langjährige Leidenschaft, die ihn bis in die NOFV-Oberliga und zum Berliner Pokalfinale führte. Offen erzählt er von aggressiven Trainern, emotionalen Spielern und einer folgenschweren Fehlentscheidung in der Nachspielzeit, über die er sich noch lange ärgerte. Dabei erklärt er, warum Selbstsicherheit mindestens genauso wichtig ist wie Regelkenntnis und weshalb Schiedsrichter auch eigene Fehler eingestehen können sollten. Besonders ernst wird es beim Thema Diskriminierung: Lutz Meyer-Raschke berichtet von sexistischen Äußerungen gegenüber einer Schiedsrichterin und dem konsequenten Vorgehen des Berliner Fußball-Verbandes. Heute engagiert er sich weiterhin ehrenamtlich für das Schiedsrichterwesen und möchte insbesondere junge Menschen für diese Aufgabe begeistern.

Tobias Guggemos | Kuh-Friseur - Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Folge 45 | 30. Oktober 2025

Haarspray, Hochleistungsföhn und sogar ein Schwanztoupé: Was nach den Vorbereitungen für eine extravagante Modenschau klingt, gehört für Tobias Guggemos zum Berufsalltag. Der junge Landwirt aus dem Allgäu ist Kuh-Friseur und sorgt dafür, dass Rinder bei Zuchtschauen, Wettbewerben und Auktionen von ihrer besten Seite zu sehen sind. Mit André Puchta spricht er über einen außergewöhnlichen Beruf, die Geheimnisse des perfekten Kuh-Stylings und die Frage, warum gutes Aussehen bei einer Viehauktion einen erheblichen Unterschied machen kann. Gemeinsam mit seiner Schwester Lena hat er ein spezialisiertes Schau-Team aufgebaut, das mittlerweile auch in Österreich, der Schweiz und Südtirol gefragt ist. Dabei werden die Tiere gewaschen, geföhnt und teilweise auf gerade einmal drei Millimeter geschoren. Besonders empfindliche Körperpartien wie das Euter verlangen noch größere Präzision. Humorvoll erklärt Tobias Guggemos, weshalb manche Kühe ein zusätzliches Haarteil am Schwanz bekommen, warum die Rückenlinie mit Haarspray modelliert wird und wie ein einziger Huster die perfekte Frisur ruinieren kann. Auch über seine Lieblingskühe mit Namen wie Claire, Galaxy oder Supreme und ein Kalb als Hochzeitsgeschenk erzählt er begeistert. Doch hinter dem ungewöhnlichen Handwerk steckt eine ernste Leidenschaft: Tobias Guggemos möchte junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern und Vorurteile gegenüber seinem Beruf abbauen. Offen spricht er über Kritik an Tierschauen, die Verantwortung für das Wohlbefinden der Tiere und den Alltag auf dem familieneigenen Bauernhof.

Armin Heining | Tantra-Trainer - Wie kamst du vom Mönch im Benediktiner-Kloster zum Tantra?

Folge 44 | 15. Oktober 2025 

Vom Benediktinermönch zum Tantralehrer: Armin Heining hat einen Lebensweg hinter sich, der ungewöhnlicher kaum sein könnte. Als junger Mann trat er ins Kloster Metten in Niederbayern ein, legte ein lebenslanges Mönchsgelübde ab und studierte katholische Theologie. Doch seine intensive Beschäftigung mit Meditation, Psychotherapie und der eigenen Sexualität führte zunehmend zu Konflikten mit der Klostergemeinschaft. Mit André Puchta spricht der Diplomtheologe, Pädagoge und Buchautor über seine Suche nach Gott, den Abschied vom Kloster und die Frage, wie sich Spiritualität und Sexualität miteinander verbinden lassen. Besonders persönlich wird es, als er von seinem schwierigen Umgang mit der eigenen Homosexualität erzählt. Aufgewachsen in der katholisch geprägten Oberpfalz, empfand er seine sexuelle Orientierung lange als unvereinbar mit seinem Glauben. Erst durch die intensive Auseinandersetzung mit Tantra fand er zu größerer Selbstakzeptanz. Anfang der 1990er-Jahre gründete er sein eigenes Institut und spezialisierte sich auf Tantra für schwule Männer. Seine Seminare führten ihn später auch in die USA und nach Kanada. Doch sein Lebensweg kennt ebenso dunkle Kapitel: Offen berichtet Armin Heining von Erfahrungen mit Chemsex, Crystal Meth und einer Hepatitis-C-Erkrankung, die ihn 2015 zu einer grundlegenden Neuorientierung bewegten. Dabei erklärt er, weshalb Tantra für ihn weit mehr bedeutet als Sexualität und wie Atemübungen, Meditation und bewusste Berührungen die Beziehung zu sich selbst und anderen verändern können.

Kerstin Spoer | Lachtelefon - Kann man vom Lachen Muskelkater bekommen?

Folge 43 | 30. September 2025

Mehr als 1.000 Anrufe am Tag, rund 100 Ehrenamtliche und ein ungewöhnliches Versprechen: Wer beim Lachtelefon anruft, bekommt keine Witze erzählt, sondern darf einfach drei Minuten lang gemeinsam mit einem fremden Menschen lachen. Was zunächst kurios klingt, hat sich seit dem Start im März 2020 zu einer bemerkenswerten Initiative entwickelt. Eine der Stimmen am anderen Ende der Leitung gehört Kerstin Spoer. Mit André Puchta spricht die Lachtrainerin und gebürtige Rheinländerin über die Kraft des Lachens, außergewöhnliche Telefonate und die Frage, warum es manchmal gar keinen Grund braucht, um glücklich zu sein. Seit Dezember 2020 engagiert sie sich ehrenamtlich beim Lachtelefon und hat inzwischen mehrere Tausend Gespräche geführt. Besonders überraschend: Ein virales TikTok-Video bescherte dem Projekt einen regelrechten Ansturm. Kerstin Spoer erzählt von lachenden Schulklassen, Anrufen aus der Mittagspause und einer 87-jährigen Frau, die zunächst selbst regelmäßig anrief und schließlich zur ehrenamtlichen Lachtelefonistin wurde. Dabei erklärt sie, wie Lachyoga ohne Witze funktioniert, weshalb gemeinsames Lachen Menschen verbindet und was bereits bewusstes Atmen bewirken kann. Doch hinter der heiteren Idee stecken auch ernste Themen wie Einsamkeit, Verlust und psychische Belastungen. Mit ihrem Veranstaltungsformat „Zum Todlachen“ beschäftigt sich Kerstin Spoer zudem mit der ungewöhnlichen Verbindung von Freude, Tod und Sterben. Offen spricht sie darüber, wie das Ehrenamt ihre eigene Sicht auf das Leben verändert hat und warum sie manchmal sogar selbst beim Lachtelefon anruft.

Ann-Kathrin Klym | Berliner Samenbank - Gibt es so etwas wie Stammkunden als Samenspender?

Folge 42 | 15. September 2025

Nur sechs Prozent aller Bewerber kommen als Samenspender infrage. Was zunächst überraschend klingt, zeigt, wie anspruchsvoll die Arbeit einer Samenbank tatsächlich ist. Ann-Kathrin Klym leitet das Labor der Berliner Samenbank und beschäftigt sich täglich mit einem Thema, über das viele Menschen nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Mit André Puchta spricht die Diplomingenieurin für medizinische Biotechnologie über außergewöhnliche Einblicke in die Reproduktionsmedizin, die Herausforderungen bei der Auswahl geeigneter Samenspender und die Frage, warum eine einzige Samenprobe mehr als 1.000 Euro kosten kann. Ihr eigener beruflicher Weg führte sie zunächst über eine abgebrochene Doktorarbeit und eine persönliche Auszeit in Namibia in die Kinderwunschmedizin. Heute begleitet sie mit ihrem Team nicht nur Spender, sondern auch Menschen auf ihrem Weg zur ersehnten Familie. Dabei hat sich die Nachfrage grundlegend verändert: Neben heterosexuellen Paaren nutzen zunehmend lesbische Paare und alleinstehende Frauen die Möglichkeiten einer Samenspende. Anschaulich erklärt Ann-Kathrin Klym, wie Spermaproben untersucht, bei minus 196 Grad eingefroren und für spätere Kinderwunschbehandlungen aufbewahrt werden. Humorvoll berichtet sie von ungewöhnlichen Wünschen bei der Spenderauswahl und einem gescheiterten Versuch mit einer Virtual-Reality-Brille im Abgaberaum. Besonders persönlich wird es, als sie von einem siebenjährigen Kind erzählt, das unbedingt seinen genetischen Spender kennenlernen wollte. Auch über das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung, die sinkende Spermienqualität und die gesellschaftliche Verantwortung von Samenbanken spricht sie offen.

Matthias Berger | Raumausstatter - Welche ist die häufigste Einrichtungs-Sünde?

Folge 41 | 15. August 2025 

Ein fast 100 Kilogramm schwerer Teppich für das Gästehaus des Auswärtigen Amtes, 800 Meter Vorhangstoff für ein Berliner Bürogebäude und eine echte S-Bahn-Tür als Wohnungseinrichtung: Matthias Berger hat als Raumausstatter schon einiges erlebt. Der gebürtige Wuppertaler lebt seit vielen Jahren in Berlin und verwandelt mit handwerklichem Können und einem geschulten Blick für Gestaltung gewöhnliche Wohnräume in persönliche Lebensräume. Mit André Puchta spricht der Raumausstattermeister über außergewöhnliche Kundenwünsche, die größten Einrichtungssünden und die Frage, wie man mit einfachen Veränderungen mehr Gemütlichkeit in die eigenen vier Wände bringt. Seine Begeisterung für Stoffe, Farben und Inneneinrichtung wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt: Schon seine Großeltern betrieben ein Tapetengeschäft, sein Vater arbeitete ebenfalls in der Branche. Nach seiner Ausbildung und Meisterprüfung wagte Matthias Berger früh den Schritt in die Selbstständigkeit – eine Entscheidung, die er rückblickend durchaus kritisch betrachtet. Besonders spannend wird es, wenn er von seinen aufwendigsten Projekten erzählt, darunter die Ausstattung der Villa Borsig am Tegeler See und eine großflächige Bürogestaltung am Berliner Moritzplatz. Dabei verrät er, warum indirektes Licht oft gemütlicher wirkt, weshalb zu viele Möbel einen Raum kleiner erscheinen lassen und wieso ausgerechnet Heizkörper zum größten Ärgernis eines Raumausstatters werden können. Auch über seine Vorliebe für den Bauhausstil, zerbissene Vorhänge und den Nachwuchsmangel im Handwerk spricht er offen.

Dr. Julian Kricheldorff | Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie - Gibt es den einen Schönheitswunsch?

Folge 40 | 15. Juli 2025

Vom Wiederannähen abgetrennter Finger bis zur Bruststraffung einer 82-Jährigen: Die plastische und ästhetische Chirurgie ist weit vielfältiger, als es der Begriff Schönheitschirurgie vermuten lässt. Dr. Julian Kricheldorff kennt beide Seiten seines Fachgebiets. Der Berliner Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurg und Notfallmediziner hat schwer verletzte Menschen operiert und begleitet heute vor allem Patientinnen und Patienten, die ihr äußeres Erscheinungsbild verändern möchten. Mit André Puchta spricht er über Schönheitsideale, medizinische Verantwortung und die Frage, wann ein guter Chirurg auch Nein sagen muss. Seine Begeisterung für die Medizin entdeckte er während seines Zivildienstes am Deutschen Herzzentrum Berlin. Eigentlich wollte er Herzchirurg werden, doch ein Praktikum im Libanon und die faszinierenden Möglichkeiten der rekonstruktiven Mikrochirurgie veränderten seine beruflichen Pläne. Offen erzählt er von langen Ausbildungsjahren, extremen Arbeitszeiten und den Herausforderungen zwischen chirurgischer Karriere und Familienleben. Besonders kritisch blickt Julian Kricheldorff auf unzureichend qualifizierte Anbieter, unrealistische Schönheitsvorstellungen und den wachsenden Einfluss bearbeiteter Bilder in sozialen Netzwerken. Dabei erklärt er, weshalb selbst vermeintlich kleine Eingriffe erhebliche Risiken bergen können und warum er regelmäßig Operationen ablehnt. Auch über Botox, Fettabsaugungen, Schönheitswünsche von Männern und seine Erfahrungen mit misslungenen Eingriffen spricht er ohne Tabus. Besonders berührend ist die Geschichte einer 82-jährigen Patientin, die sich nach einem arbeitsreichen Leben noch einmal einen persönlichen Wunsch erfüllen wollte.

Dr. Peter Kraus | Schuhplattler - Gibt es einen Secret Code unter schwulen Schuhplattlern?

Folge 39 | 30. Juni 2025

Schwarze Lederhosen, grüne Trachtenhüte und bayerische Volksmusik mitten in Berlin: Dr. Peter Kraus beweist mit seinem Verein „Querplattler“, dass alpenländische Tradition und queere Lebensfreude wunderbar zusammenpassen. Der gebürtige Oberbayer lebt seit vielen Jahren in der Hauptstadt und gründete 2015 die erste schwule Schuhplattlergruppe Berlins. Mit André Puchta spricht er über die ungewöhnlichen Anfänge seines Vereins, die Faszination des Schuhplattelns und die Frage, warum traditionelle Trachten auch eine erotische Wirkung entfalten können. Was einst mit einer Handvoll Begeisterter in einem Friseursalon in Berlin-Moabit begann, entwickelte sich zu einer festen Größe in der Berliner Kultur- und Vereinsszene. Inspiriert von den Münchner „Schwuhplattlern“ brachte Peter Kraus gemeinsam mit engagierten Mitstreitern ein Stück bayerische Heimat nach Berlin. Dabei hatte anfangs kaum jemand Erfahrung mit dem anspruchsvollen Tanz. Humorvoll erzählt er von den ersten unbeholfenen Schritten, schmerzhaften Treffern auf die eigenen Finger und der überraschenden Erkenntnis, dass Schuhplatteln ein durchaus anstrengendes Ganzkörpertraining ist. Auch über die Bedeutung der richtigen Lederhose, die Kunst der Choreografie und Auftritte bei Oktoberfesten, Firmenveranstaltungen und queeren Events spricht er begeistert. Besonders wichtig ist ihm, dass die Querplattler traditionelle Kultur bewahren und zugleich zeigen, wie selbstverständlich Vielfalt dazugehören kann. Mittlerweile ist die Gruppe sogar in einem überregionalen Trachtenverband organisiert.

Anja Koschemann | Dildo-Designerin - Machst du eigentlich auch Prototyp-Tests im Freundeskreis?

Folge 38 | 15. Juni 2025 

Eine Banane, die bei Körperwärme ihre Farbe verändert, ein Maiskolben aus Silikon und eine 1,20 Meter lange Gurke für die Theaterbühne: Anja Koschemann hat aus einer ungewöhnlichen Idee ein erfolgreiches Unternehmen gemacht. Die gebürtige Dresdnerin war ursprünglich Chemielaborantin, bevor sie ihren eigenen Beruf erfand: Dildo-Designerin. Mit André Puchta spricht sie über die Entstehung ihrer Manufaktur, ausgefallene Kundenwünsche und die Frage, warum Sexspielzeug nicht nur funktionieren, sondern auch schön aussehen sollte. Alles begann vor rund 20 Jahren, als sie gemeinsam mit ihrem damaligen Partner nach neuen Möglichkeiten suchte, das eigene Liebesleben zu bereichern. Doch die damaligen Produkte überzeugten sie weder durch ihre Gestaltung noch durch die verwendeten Materialien. Also begann sie, selbst zu experimentieren – zunächst in der eigenen Wohnung, mit Silikon, selbst gebauten Formen und einer Wasserstrahlpumpe am Waschmaschinenanschluss. Heute entstehen in ihrer Dresdner Manufaktur handgefertigte Erotikspielzeuge, die teilweise sogar ihre Farbe verändern. Humorvoll erzählt Anja Koschemann von ungewöhnlichen Begegnungen beim Gemüseeinkauf, einer Anfrage für einen Oktopus-Dildo und einer riesigen Theatergurke, die erst kurz vor der Generalprobe fertig wurde. Doch hinter den fantasievollen Kreationen steckt eine ernsthafte Haltung: Sie setzt sich für sexuelle Selbstbestimmung, hochwertige Materialien und einen offenen Umgang mit individuellen Bedürfnissen ein. Besonders nachdenklich wird das Gespräch, als sie von Kundinnen und Kunden aus Ländern berichtet, in denen Erotikprodukte verboten sind.

Franka Mantei | Tatortreinigerin - Wie unterscheidet sich dein Alltag von dem, was in TV-Serien gezeigt wird?

Folge 37 | 15. Mai 2025

Wenn die Polizei den Tatort verlassen und der Bestatter den Verstorbenen abgeholt hat, beginnt für Franka Mantei die Arbeit. Die gebürtige Berlinerin ist Tatortreinigerin und wird dorthin gerufen, wo Menschen nach Unfällen, Gewaltverbrechen oder einem natürlichen Tod Spuren hinterlassen haben. Mit André Puchta spricht die examinierte Krankenschwester über einen außergewöhnlichen Beruf, erschütternde Schicksale und die Frage, was geschieht, wenn ein Mensch über Monate unbemerkt in seiner Wohnung liegt. Die Idee zu ihrer beruflichen Neuorientierung entstand durch ein Gespräch mit ihrem Vater, einem Polizeibeamten. Als sie bei ersten Einsätzen erhebliche hygienische und menschliche Defizite beobachtete, gründete sie 2018 ihr eigenes Unternehmen für Hygiene und Infektionsschutz. Anschaulich erklärt Franka Mantei, warum die Arbeit weit mehr bedeutet als das Beseitigen sichtbarer Spuren, welche Gefahren von unsachgemäßer Reinigung ausgehen können und weshalb manchmal sogar ganze Bodenabschnitte entfernt werden müssen. Besonders eindrücklich sind ihre Erzählungen über einen Hausmeister, der heimlich eine komplette Schrankwand aus einer Wohnung mit Todesfall austauschte, und unseriöse Anbieter, die die Verzweiflung Hinterbliebener finanziell ausnutzen. Doch hinter Schutzanzügen, Desinfektionsmitteln und belastenden Einsatzorten stehen vor allem menschliche Schicksale. Offen berichtet die zweifache Mutter von Begegnungen, die ihr besonders nahegehen, von trauernden Angehörigen und Momenten, in denen auch sie selbst Tränen vergießt. Ihr Engagement für den WEISSEN RING unterstreicht dabei ihren Einsatz für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Tim Szyska | Ledermaßschneider - Was war der größte Leder-Notfall, den du jemals retten musstest?

Folge 36 | 15. April 2025

Ein Clownskostüm aus Leder, maßgeschneiderte Fetischkleidung und ein Atelier, in dem selbst prominente Kunden vollkommen anonym bleiben können: Tim Szyska hat seine Leidenschaft für Leder zum Beruf gemacht. Der gebürtige Berliner betreibt seit 2016 eine eigene Lederschneiderei in Berlin-Schöneberg und fertigt individuelle Kleidungsstücke für Menschen, die ihren persönlichen Stil und ihre Vorlieben selbstbewusst ausleben möchten. Mit André Puchta spricht der gelernte Schneider über ungewöhnliche Kundenwünsche, die Vielfalt der Fetischszene und die Frage, warum Leder für viele Menschen weit mehr ist als ein Kleidungsstück. Schon als Jugendlicher entdeckte er die schwule Lederszene Berlins. Nach seiner Schneiderausbildung und einer Weiterbildung zum Schnittmacher wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute beschäftigt er eigene Mitarbeitende und fertigt Lederhosen, Jacken, Westen, Harnesses und außergewöhnliche Einzelstücke nach Maß. Besonders wichtig ist ihm dabei die Diskretion: Sein Atelier versteht er als geschützten Raum, in dem Menschen unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder persönlichen Vorlieben offen über ihre Wünsche sprechen können. Humorvoll erzählt Tim Szyska von einem vollständig aus Leder gefertigten Clownskostüm, einer bei einem besonders turbulenten Abend zerrissenen Lederhose und den Herausforderungen beim Anfertigen passgenauer Ledermasken. Offen spricht er auch über seine Legasthenie, den schwierigen Einstieg ins Schneiderhandwerk und seinen Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Akzeptanz. Nebenbei verrät er, warum Leder keineswegs immer schwarz sein muss und wie hochwertige Stücke bei richtiger Pflege Generationen überdauern können.

Henning Rabe | Burgschreiber - Was ist schwieriger: eine Gans zu rupfen oder eine gute Geschichte zu verfassen?

Folge 35 | 30. März 2025 

Drei Jahre lang tobt in seinem Roman ein gewaltiger Sturm. Was danach aus den Menschen wird, schreibt Henning Rabe auf einer mittelalterlichen Burg in Brandenburg. Der gebürtige Berliner ist Schriftsteller, Musiker, DJ und leidenschaftlicher Weltenbummler. Im Januar 2025 trat er als 32. Burgschreiber auf der Burg Beeskow ein fünfmonatiges Literaturstipendium an. Mit André Puchta spricht er über das Leben hinter historischen Burgmauern, seine ungewöhnliche Biografie und die Frage, warum ihn ausgerechnet eine Welt nach der Klimakatastrophe literarisch beschäftigt. Schon als Neunjähriger stand Henning Rabe vor den Kameras des DDR-Fernsehens, arbeitete als Kindersprecher und Moderator und entdeckte früh seine Begeisterung für Geschichten. Später wirkte er sogar in einem Werbespot für Stefan Raabs „TV total“ mit – gemeinsam mit echten Polizisten. Seit Jahrzehnten schreibt er Erzählungen und Bücher, darunter die Agentengeschichte „Einsatz in Damaskus“, deren Ursprung eine kurze Videotextmeldung war. Besonders eindrucksvoll sind seine Reiseerlebnisse: Nach dem Mauerfall erkundete er zahlreiche Länder und durchquerte in Kirgisistan mit einem Führer und einem Packpferd abgelegene Berglandschaften. Offen erzählt er von seiner Liebe zur Musik der 1970er-Jahre, seiner Tätigkeit als DJ und dem besonderen Reiz, nachts in völliger Ruhe an einem Roman zu arbeiten. Dabei wird auch deutlich, weshalb ihm die Freude am Lesen und Schreiben gerade bei jungen Menschen besonders am Herzen liegt.

Stefan Bauer | Sensenmann - Sag mal, hast du eigentlich auch mal Urlaub?

Folge 34 | 15. März 2025

Er kommt mit einer scharfen Klinge, doch mit dem Tod hat er nichts zu tun: Stefan Bauer ist Brandenburgs erster Sensenlehrer und möchte eine jahrhundertealte Handwerkskunst vor dem Vergessen bewahren. Der gebürtige Berliner lebt in der brandenburgischen Gemeinde Havelaue und zeigt in seinen Kursen, wie man Wiesen ganz ohne Motor, Lärm und Abgase mäht. Mit André Puchta spricht der Diplomingenieur über die Faszination des Sensenmähens, die Bedeutung traditioneller Handwerkskunst und die Frage, warum eine Sense manchmal die bessere Alternative zum modernen Rasenmäher ist. Seine ungewöhnliche Leidenschaft begann mit einem gerade einmal 25 Quadratmeter großen Garten während seiner Studienzeit in Niedersachsen. Ein herkömmlicher Handrasenmäher erwies sich als ungeeignet, und auch die erste Sense aus dem Baumarkt brachte nicht den gewünschten Erfolg. Erst die Begegnung mit einem erfahrenen Sensenmäher weckte seine Begeisterung für die traditionelle Technik. Heute gibt Stefan Bauer sein Wissen weiter und erklärt, weshalb die richtige Körperhaltung, ein passendes Sensenblatt und das sogenannte Dengeln entscheidend sind. Anschaulich beschreibt er, wie das Mähen mit der Sense Insekten und andere Kleintiere schonen kann und warum die gleichmäßigen Bewegungen beinahe etwas Meditatives haben. Auch über die Geschichte der Sensenschmieden, den drohenden Verlust alten Handwerkswissens und die überraschend große Begeisterung seiner Kursteilnehmerinnen spricht er leidenschaftlich. Dabei räumt er mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Früher galt der Sensenmann nicht nur als Todesbote, sondern auch als jemand, der durch seine Arbeit das Überleben sicherte.

Tim Kreutzfeldt | Friseurmeister - Was ist der absolute No-Go-Haarschnitt für ein erstes Date?

Folge 33 | 15. Februar 2025

Seit rund 40 Jahren schneidet Tim Kreutzfeldt anderen Menschen die Haare – und trägt selbst ein Haarteil. Was für manche ein gut gehütetes Geheimnis wäre, erzählt der erfahrene Friseur ganz selbstverständlich. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner betreibt seit 1999 seinen Salon „Ponyclub“ in Berlin-Friedrichshain und hat dort nicht nur unzählige Frisuren, sondern auch außergewöhnliche Lebensgeschichten kennengelernt. Mit André Puchta spricht er über kuriose Kundenwünsche, den sogenannten Keta-Pony und die Frage, warum selbst der beste Friseur nicht jeden Promi-Look verwirklichen kann. Ursprünglich wollte Tim Kreutzfeldt Pfarrer werden. Doch seine Begeisterung für Pferde, die Grufti-Punk-Szene und erste selbst geschnittene Frisuren bei Freunden führten ihn schließlich ins Friseurhandwerk. Offen berichtet er von den wirtschaftlichen und persönlichen Herausforderungen während der Corona-Pandemie, als sein Salon geschlossen bleiben musste und er trotzdem jeden Tag zur Arbeit ging – um an Übungsköpfen zu frisieren und irgendwie weiterzumachen. Besonders eindrücklich ist seine Begegnung mit einer Kundin, die ihn homophob beleidigte. Statt den Haarschnitt abzubrechen, entschied er sich, ihr einen besonders schönen Haarschnitt zu schenken – verbunden mit der klaren Ansage, dass sie seinen Salon künftig nicht mehr besuchen dürfe. Auch über unrealistische Schönheitsideale, KI-generierte Frisurenbilder, den Trend zum „Silent Cut“ und die Herausforderungen des Friseurhandwerks spricht er mit viel Erfahrung und Humor. Überraschend wird es, wenn er seine extravagante Dragfigur „Gulasch“ vorstellt und erzählt, warum er sich seine Kostüme selbst näht.

Tara Mader | Bestatterin - Wann sollte ich damit beginnen, mich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen?

Folge 32 | 15. Januar 2025

Ein selbst bemalter Sarg, die Lieblingskleidung des Verstorbenen und eine Trauerfeier, bei der nicht nur geweint, sondern auch gelacht wird: Für Tara Mader darf der letzte Abschied so individuell sein wie das Leben selbst. Die gebürtige Berlinerin ist Bestatterin, ausgebildete Trauerbegleiterin und zertifizierte demenzfreundliche Bestatterin. Mit André Puchta spricht sie über den selbstbestimmten Umgang mit dem Tod, außergewöhnliche Abschiedsrituale und die Frage, warum eine Bestattung nicht nach einem vorgegebenen Muster ablaufen muss. Ihr eigener Weg in diesen Beruf begann mit zwei schmerzhaften Erfahrungen. 2010 starb ihre Großmutter, während Tara an ihrem Bett saß. Sechs Jahre später verlor sie ihren Vater nach einem Herzinfarkt. Besonders die einfühlsame Begleitung durch dessen Bestatterin Gabi veränderte ihren Blick auf Trauer und Abschied grundlegend. Nach einem Jurastudium, einer Tischlerausbildung und mehreren Jahren als selbstständige Gastronomin entschied sie sich schließlich, selbst Bestatterin zu werden. Offen erzählt Tara Mader, weshalb Angehörige und enge Bezugspersonen bei der Gestaltung einer Trauerfeier mehr Mitspracherecht haben sollten und warum es wichtig ist, schon zu Lebzeiten über den eigenen Tod zu sprechen. Dabei geht es um ganz persönliche Wünsche, bemalte Särge, Abschiede im eigenen Zuhause und die Möglichkeit, verstorbene Menschen noch einmal zu sehen. Besonders am Herzen liegt ihr die Einbeziehung von Kindern und Menschen mit Demenz, deren Bedürfnisse bei Bestattungen häufig übergangen werden. Auch über Bestattungskosten, gesetzliche Grenzen und ihren Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Offenheit spricht sie eindringlich.

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